Die Frage nach Unterschieden zwischen Frauen und Männern wird in den Medien seit geraumer Zeit wieder lebhaft diskutiert. Insbesondere die bildgebenden Verfahren der Neurobiologie geben der Position, Frauen und Männer seien von Natur aus anders, neues Gewicht gegenüber dem Standpunkt, Unterschiede seien sozialisationsbedingt.

Bereits seit mehr als zweihundert Jahren befinden sich sowohl Medizin als auch Naturwissenschaften auf der Suche nach objektiven biologischen Unterschieden zwischen Mann und Frau. Welcher Zweck wird damit verfolgt? Sind die Forschungsergebnisse tatsächlich so eindeutig? Welche normativen Vorannahmen prägen Forschungsergebnisse?

In einem geschichtlichen Rückblick von Dr. Kerstin Palm ging es um die sich verändernden Annahmen über die Geschlechtsunterschiede und ihre gesellschaftliche Bedeutung. Die gegenwärtigen Messverfahren zur Erforschung der Geschlechter wurden von Dr. Sigrid Schmitz in ihrer Aussagekraft hinterfragt und eingeordnet. Den Abschluss bildeten Mechthild Jansens Vortrag sowie eine Diskussion mit allen Referentinnen, inwiefern und mit welchen Folgen sich diese Debatte in aktuellen politischen Strategien widerspiegeln.

Die Vortragenden und ihre Themen:

Dr. Kerstin Palm
Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien, Humboldt-Universität Berlin
Die Ordnung der Geschlechter - zur Geschichte der Frage, was ein Mann und was eine Frau ist
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HD Dr. Sigrid Schmitz
Institut für Informatik und Gesellschaft der Universität Freiburg
Wie kommt das Geschlecht ins Gehirn? - was die Hirnforschung über die Geschlechterfrage zu sagen vermag
Der Beitrag ist in ähnlicher, gekürzter Form im Forum Wissenschaft erschienen: http://www.bdwi.de/forum/archiv/archiv/97754.html
Eine etwas populärere Version ist zu finden in Spiegel online: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,482104,00.html

Mechtild Jansen
freie Autorin, Berlin
Sex, Gender und Politik - welche Auswirkungen hat die wissenschaftliche Debatte auf gegenwärtige politische Strategien?
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Konzeption und Realisierung: Birgit Erbe, Manuela Krosta, Irmengard Matschunas.

Kurzbiografien der Referentinnen

Dr. Kerstin Palm
Studium der Biologie, Philosophie und Literaturwissenschaft in Göttingen und Freiburg i.Br., Promotion 1996 in Biologie mit einem gewässerökologischen Thema; von 1996-1999 empirisches wissenssoziologisches Forschungsprojekt an der Universität Bremen in der Soziologie zum Wissenschaftsverständnis der Biologie; von 1999-2001 habilitationsvorbereitendes Stipendium des Chancengleichheitsprogramms des Berliner Senats; seit 2001 Wissenschaftliche Assistentin an der Humboldt-Universität Berlin, Institut für Kultur- und Kunstwissenschaften mit einem Habilitationsprojekt über die Genealogie des Lebensbegriffs in der Biologie und Lehrveranstaltungen in den Gender Studies zu feministischer Naturwissenschaftsforschung.

HD Dr. Sigrid Schmitz
Studium der Biologie in Aachen und Marburg; seit 1987 Lehre und Forschung zu Gender in den Naturwissenschaften; Habilitation 1998 in Zoologie über Geschlechterunterschiede in der Raumorientierung des Menschen; seit Oktober 1999 Arbeit am Institut für Informatik und Gesellschaft der Universität Freiburg an der Schnittstelle Informatik/Naturwissenschaften; seit 2002 zusammen mit Britta Schinzel Leitung des Forums Genderforschung in Informatik und Naturwissenschaften [gin]; seit Oktober 2002 Hochschuldozentin zur "Mediatisierung der Naturwissenschaften und Genderforschung"; SS 2003 Aigner-Rollett-Gastprofessur für Genderforschung in den Naturwissenschaften an der Universität Graz.

Mechtild Jansen
Diplom-Studium der Psychologie, Pädagogik, Politik- und Sozialwissenschaften in Tübingen, Bonn und Bremen, langjährige Tätigkeit in gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen, Forschungsarbeit, freie journalistische und publizistische Tätigkeit; seit Ende der achtziger Jahre ausschließlich freiberuflich als Sozialwissenschaftlerin, Publizistin und Autorin mit Sitz in Köln, seit 2002 in Berlin tätig.

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