Frauenarbeit zwischen Beruf und Berufung

Eine Kooperation des Netzwerks Frauen & Geschichte Bayern der Frauenakademie München e.V. und der Georg-von-Vollmar-Akademie
11. - 13. April 2008 in Kochel am See

Hintergrund der Tagung

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Netzwerks Frauen & Geschichte Bayern fand in Kochel am See eine Tagung zum Thema "Arbeit macht das Leben süß...? Frauenarbeit zwischen Beruf und Berufung" statt. Das Netzwerk versteht sich als Schnittstelle zwischen universitär verankerter Frauen- und Geschlechterforschung und freiberuflicher historisch-politischer Bildungsarbeit. Somit richtete sich auch diese mittlerweile fünfte vom Netzwerk organisierte Tagung ebenso an ein frauenhistorisch arbeitendes Fachpublikum wie an eine interessierte Öffentlichkeit. Dementsprechend wurde auch beim Verlauf der Tagung der Bogen von historischen Fragestellungen zur Frauenarbeit bis hin zu aktuellen Fragestellungen der Gegenwartsgesellschaft gespannt. Vertreterinnen unterschiedlicher Disziplinen kamen dabei miteinander ins Gespräch, was von vielen Tagungsteilnehmerinnen als besonders gelungen eingeschätzt wurde.

Überblick

Die sieben Vorträge sowie die abschließende Podiumsdiskussion waren in drei Schwerpunkte unterteilt, die die Zielrichtung der Tagung deutlich machten: Nach einem einführenden Referat über die Definition des gesellschaftlichen Arbeitsbegriffes wurden unter dem von den Tagungsorganisatorinnen als provokant zu verstehenden Titel "Auch das ist Arbeit!" weibliche Hausarbeit und sexuelle Dienstleistungen durch Frauen vorgestellt und deren gesellschaftliche Bedeutsamkeit analysiert. In einem zweiten Schwerpunkt wurden die historischen Fragestellungen auf jeweils spezielle Situationen und Arbeitsbereiche zugespitzt: Wie stellt sich Frauenarbeit in überliefertem Liedgut des Mittelalters und der Frühen Neuzeit dar, welche Beteiligungsmölichkeiten boten sich Frauen in kriegerischen Auseinandersetzungen vor der Einrichtung stehender Heere und wie veränderten sich die Arbeits- und Lebensbedingungen jüdischer Frauen unter der NS-Verfolgungspolitik. Im dritten Schwerpunkt wurden die historischen und aktuellen Positionen innerhalb der Frauenbewegung zu weiblicher Berufstätigkeit und zur heutigen Situation sowie Zukunftsvisionen, besonders im Hinblick auf die Frage nach einem möglichen Grundeinkommen, diskutiert.

Zusammenfassung der Vorträge

Die Politikwissenschaftlerin ANTJE SCHRUPP (Frankfurt am Main) eröffnete die Vortragsreihe mit einem Definitionsversuch über den Faktor Arbeit. Die Referentin näherte sich dieser Herausforderung von verschieden Richtungen aus. Dank dieser Herangehensweise wurde die Komplexität des Arbeitsbegriffes ersichtlich. Schrupp konnte vor allem deutlich machen, dass es keine allgemeingültige Antwort auf die Frage gibt, was Arbeit ist. Hinsichtlich der Beschleunigung weiblicher Teilnahme am Arbeitsprozess warnte die Referentin davor, mit neoliberalen Argumentsmustern, wie dem von der Nützlichkeit von Frauen für die Wirtschaft, vorzugehen, denn dadurch werde das zentrale Anliegen von Feministinnen, "weibliche Freiheit" zu befördern, aufgegeben. Sie plädierte dafür, die Debatte nicht auf eine bestehende geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zu verkürzen. Es sei nicht damit getan, Frauen in Ingenieurs- und Wirtschaftsberufen zu fördern und Männern mehr Beteiligung an der Haus- und Familienarbeit zuzuweisen. Der soziale Aspekt des Themas werde dadurch aus den Augen verloren, da schon heute die schlechter bezahlte Arbeit nicht unbedingt nur von Frauen, sondern vielmehr von Menschen beiderlei Geschlechts nichtdeutscher Herkunft erledigt werde. Ihrem Plädoyer, dass die Problematik nicht mehr durch den Kampf um Gleichheit zu lösen sei, sondern durch einen anderen Blick auf die Ungleichheit, der von unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen der Einzelnen auszugehen habe, konnten in der anschließenden Diskussion nicht alle Teilnehmerinnen folgen. Einig war sich das lebhafte Diskussionsforum lediglich darin, dass es gesellschaftlicherseits immer wieder neu zu diskutieren sei, welchen Sinn Arbeit habe und haben müsse. [1]

Die Sektion "Auch das ist Arbeit!" begann mit einem äußerst amüsant vorgetragenen Referat von Historikerin CHRISTIANE WILKE (München), indem sie den Fragen nachging, was Hausarbeit ist, wer sie ausführt und was ihre gesellschaftliche Anerkennung ausmacht. Den zeitlichen Schwerpunkt legte sie auf das 19. Jahrhundert und die 1950er Jahre. Dabei zog sie Vergleiche zur Gegenwart und fokussierte ihre Betrachtungen auf die Verhältnisse im deutschen Sprachraum.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein seien viele häusliche Arbeiten strukturell gleich geblieben, auch wenn einzelne Sparten wie das Bierbrauen oder Brotbacken seit dem 18. Jahrhundert vielfach ausgelagert und - von Männern - professionalisiert wurden. Im 19. Jahrhundert habe der prozentuale Anteil weiblicher Bediensteter in bürgerlichen Haushalten zugenommen, und die Arbeit wurde je nach finanzieller Situation auf mehrere Dienstbotinnen oder wenigstens auf ein "Mädchen für alles" und die Hausfrau verteilt. Hausfrauen aus dem mittleren und höheren Bürgertum versuchten sich in der Kunst des "demonstrativen Müßiggangs", d.h. in der Vorspiegelung, von der Hausarbeit durch Dienstboteneinsatz befreit zu sein, auch wenn vor der Öffentlichkeit verborgen de facto große Anstrengungen der Hausfrau nötig waren. Auch heute sei Hausarbeit noch immer ausschließlich Frauensache. Männliche "Mithilfe" decke auch bei erwerbstätigen Ehepaaren keinesfalls den männlichen Anteil an der Nutznießung des Haushaltes ab. Werde derzeit Hausarbeit delegiert, dann wiederum von Frauen an Frauen, häufig an Migrantinnen, die in Deutschland putzen und pflegen, obwohl sie möglicherweise in ihrem Herkunftsland bspw. Ingenieurinnen waren: Die Befähigung zur Hausarbeit gelte nach tief sitzenden gesellschaftlichen Überzeugungen als den Frauen als angeboren.

Kunst- und Kulturhistorikerin ELISABETH VON DÜCKER (Museum der Arbeit Hamburg) bereicherte mit ihrem Beitrag den Diskurs über die hinter der Kulisse der Öffentlichkeit stattfindende "Sexarbeit" von Frauen, die - wie Hausarbeit - zum Funktionieren der Gesellschaft beitrage, aber gesellschaftlich nicht ohne weiteres als "Arbeit" betrachtet werde. Den Begriff des "sexwork" von der Hurenbewegung übernehmend und ihn wie diese ausschließlich auf die freiwillige Prostitution erwachsener Frauen beziehend, plädierte die Referentin dafür, Prostituierte jenseits von Heuchelei und Doppelmoral als "Sozialarbeiterinnen männlicher Libido" und damit als Teilnehmerinnen am Arbeitsprozess wahrzunehmen. Zwar sei Prostitution keine "Arbeit wie jede andere auch", da sie nach wie vor durch einen hohen Grad gewaltförmiger Übergriffe und Gefährdung der sie Ausübenden gekennzeichnet sei. Entscheidend dafür, sie dennoch als Arbeit und die Prostituierten als Teil der arbeitenden Bevölkerung wahrzunehmen, seien aber die wirtschaftliche und soziale Realität dieses Dienstleistungsgewerbes. [2]

Die Sektion "Einblicke in weibliche Arbeitswelten" wurde von Historikerin NADJA BENNEWITZ (Nürnberg) mit einem Vortrag über die Handlungsräume und Reaktionen jüdischer Deutscher auf ihre zunehmende berufliche Einschränkung in der nationalsozialisierten Gesellschaft in geschlechtergeschichtlicher Perspektive eröffnet. Als Quellenbasis für ihre Ausführungen hatte die Referentin das Nürnberg-Fürther Israelitische Gemeindeblatt für die Jahre 1933 bis zu dessen Verbot im November 1938 ausgewertet. Das regional begrenzte Monatsblatt stellte sich als aussagekräftiges Abbild jüdischen Alltags dar: Hierin schrieben nach 1933 renommierte Journalistinnen wie Dr. Margarete Edelheim und Dr. Martha Wertheimer, nachdem sie ihre beruflichen Stellungen in der reichsweiten deutschen Presse verloren hatten, hier wurden hochkarätige Konzerte bedeutender Sängerinnen wie Paula Salomon-Lindberg oder Kabarettabende mit Max Ehrlich und Cläre Arnstein in der Nürnberger Synagoge angekündigt, Aktivitäten des "Jüdischen Kulturbundes", einer reichsweiten, auch regional tätigen "Selbsthilfeeinrichtung", die den arbeitslos gewordenen KünstlerInnen ein Auskommen bot.

Angeregt durch die Arbeiten von Gudrun Maierhof und Sylvia Rogge-Gau [3], zeichnete Bennewitz somit für die Region Nürnberg-Fürth nach, wie Frauen und Männer gezwungenermaßen jeweils unterschiedlich auf die zunehmende Ausgrenzung reagierten: Die Maßnahmen jüdischer Hausfrauen bewegten sich zwischen individueller Anpassung und organisierter Selbsthilfe auf Gemeindeebene, aufgrund des Arbeitsplatzverlust des Mannes hatten viele Frauen durch Hilfsarbeiten für den Unterhalt der Familie zu sorgen. Die Bandbreite der Reaktionen jüdischer Frauen sei breit gefächert gewesen: verstärkter Einsatz im Gemeindeleben durch die Arbeit in Beratungsstellen für Ausreisefragen und Berufsumschichtung, Besinnung auf jüdische Wurzeln in Form redaktioneller Beiträge und besonders an Frauen gerichtete Aufrufe für den Erhalt religiöser Feste, schriftstellerisches oder künstlerisches Engagement im Kulturbund.

In ihrem Vortrag über Frauen auf dem Schlachtfeld betonte Historikerin EDELTRAUD AUBELE (Neu-Ulm) die Bedeutung von Frauen beim Militär und in der Kriegsführung. Sie widersprach damit der Auffassung von Creveld [4], dass Frauen nur insofern eine Rolle beim Militär gespielt hätten, als sie Ursache, Ziel und Opfer des Krieges gewesen seien. Die zentrale These der Referentin lautete vielmehr, dass Frauen für die Kriegsführung wichtige logistische Funktionen erfüllt hätten. Diese Leistungen seien bis heute weitgehend unsichtbar geblieben, obwohl neuere Ansätze gezielt nach den Kriegserfahrungen von Frauen fragen.[5]

Anhand eines erfahrungsgeschichtlichen Ansatzes machte Aubele nicht nur die Präsenz von Frauen deutlich, sie zeichnete auch ein lebendiges Bild vom Alltag dieser Frauen, von den beengten Verhältnissen in den Kasernen und der Unmöglichkeit, dort Kinder zu gebären. Die Reichsstadt Ulm hatte aus diesem Grund schon Ende des 18. Jahrhunderts eine Gebärstube für Soldatenfrauen eingerichtet. Selbstverständlich begleiteten die Frauen und Kinder die Männer ins Feld. Dort halfen sie beim Bau von Verschanzungen und dem Anlegen von Wegen und griffen gelegentlich auch zur Waffe, wenn es die Situation erforderte. Jenseits von Friedens- und Kriegszeiten kochten sie die Mahlzeiten, wuschen die Wäsche und pflegten die Verwundeten. Als Marketenderinnen unterhielten sie Feldschenken und genossen eine gewisse Unabhängigkeit. Diese Betätigung war nach dem Kriegstod des Partners oft die einzige Alternative zum Bettel.

Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht verschwanden die Familien aus dem Kampfverband. Erst nachdem die weiblichen Aufgaben von niemand mehr wahrgenommen wurden, zeigte sich die Relevanz der weiblichen Unterstützungsleistung. Am deutlichsten trat dies in der Verwundetenversorgung hervor.[6] Von nicht geringerer Bedeutung war die Zunahme von Geschlechtskrankheiten, was auf häufigen Partnerwechsel und die Zunahme von Prostitution verweist.

ULRIKE BERGMANN (Fürth) zeigte bei einem musikalischen Vortrag, bei dem sie sich selbst mit einer ungarischen Bassleier begleitete, auf, wie sich weibliche Arbeiten im Liedgut des Mittelalters bis ins 19. Jahrhundert niederschlugen.

Sie spannte mit einem Beitrag aus der "Kudrun" einen Bogen vom mittelalterlichen Epengesang bis hin zu Liedern der Ebermannstädter Liederhandschrift (1773) und einem steirischen Marterltext aus dem 19. Jahrhundert. Die musikalisch anspruchsvoll vorgetragenen Lieder wurden von der Vortragenden inhaltlich eingeleitet, teilweise in die heutige Sprache übersetzt und analysiert. Die Arbeit der Frauen sei dabei selten das eigentliche Thema, sondern biete eher den Hintergrund für eine gesungene Geschichte, wie z. B. im "Untarnslaf" des Mönchs von Salzburg, wo die Arbeit der Magd den Hintergrund dafür abgibt, dass sich zwei Liebende nach einem Schäferstündchen trennen müssen. Mitunter würden Begriffe für Arbeiten und Arbeitsmaterial in den Liedern des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit aber auch doppeldeutig benutzt. So werde vordergründig eine Arbeitssituation dargestellt, doch durch eine zweite erotisch besetzte Bedeutung sehr intime Situationen sehr detailliert und doch gleichzeitig kaschiert - vielleicht ihre Rettung vor allfälliger Zensur? - einem eingeweihten Publikum vorgestellt. So sei die "hubsche vischerin" mit all ihrem Arbeitsgerät beim Fischen in einem Lied aus der Zeit um 1450 eine Frau mit großen körperlichen Reizen auf Liebesabenteuer aus. Allerdings gibt es auch Liedtexte, die die Arbeit von Frauen zentral zum Thema machen: z. B. das von einer Strafgefangenen verfasste Lied aus dem 18. Jahrhundert, in dem die Verfasserin anschaulich von der ihr auferlegten Zwangsarbeit wie z.B. Straßenkehren berichtete. Aber auch das Kudrun-Epos enthält Stellen, die detailliert weibliche Arbeit schildern: Kudrun, die Königstochter, muss als Kriegsgefangene die Arbeit von Mägden verrichten. Und eben weil die Königstochter diese Arbeiten machen muss, sind sie als besonders unmenschlich geschildert, bei einer Magd hätte man dieselben Tätigkeiten sicher als alltäglich angesehen. [7]

In der letzten Sektion am dritten Tagungstag gab Sozialwissenschaftlerin GISELA NOTZ (Berlin) einen historischen Überblick über die Diskussionen zu weiblicher Erwerbsarbeit innerhalb der Frauenbewegungen. Sie stellte zunächst fest, dass die Forderung nach guten Kindergartenplätzen oder gleichen Ausbildungschancen für Töchter und Söhne noch immer Utopien seien, die es schon im 19. Jahrhundert gegeben habe. Die Frauenrechtlerin Luise Otto-Peters z.B. habe schon damals festgestellt, dass "nur eine Frau, die ihre Existenz sichern kann, sich von der Abhängigkeit von ihrem Ehemann oder ihrer Familie lösen" könne. Otto-Peters habe sich gegen sozialistische Männer gewandt, die sich eine "bürgerliche Existenz auf Kosten der Frauen aufbauen wollten". Auch das Dienstbotenwesen habe die Frauenrechtlerin kritisiert, "da ein Arbeiter seine Arbeitskraft, eine Dienstbotin aber ihre ganzes Leben verkauft." Insofern sei der Wunsch der Frauen nach gemeinsamem Vorgehen schon immer schwierig gewesen, denn eine Bürgersfrau habe andere Interessen verfolgt als ein Dienstmädchen.

Während der Zeit der Sozialistengesetze im ausgehenden 19. Jahrhundert seien die Arbeiterinnen einer doppelten Verfolgung ausgesetzt gewesen, so Notz, und auch in der Zeit der Weimarer Republik hätten Frauen überwiegend im häuslichen Umfeld gearbeitet. Diese Tendenz habe auch unter den Nationalsozialisten angehalten, denn Adolf Hitler habe die Forderung nach der Gleichberechtigung der Frau als "von jüdischen Intellektuellen geprägt" bezeichnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die Frauen für alles gesorgt: für die Kinder, für das Wegräumen der Trümmer und für die heimkehrenden, angeschlagenen Männer. Unterstützt von den Frauenverbänden hätten die Politikerinnen Elisabeth Selbert und Friederike Nadig 1949 erreicht, dass die Gleichberechtigung im Grundgesetz verankert wurde. Gehapert habe es allerdings mit dem Recht der Frauen auf Erwerb, denn bis 1977 war gesetzlich geregelt, dass Frauen eine außerhäusliche Berufstätigkeit nur ausüben durften, wenn die häuslichen Aufgaben und Pflichten nicht darunter litten.

Mit der Forderung "Das Private ist politisch" habe die neue Frauenbewegung in den 1970er Jahren eine geschlechtergerechte Aufgabenverteilung eingefordert. Etwas resigniert stellte die Referentin abschließend fest: "Heute haben wir die bestausgebildete Frauengeneration aller Zeiten, doch das findet keine Wiederspiegelung in der Erwerbsarbeit." In der heutigen Familiensituation sei die Erwerbstätigkeit der Frau jedoch eine existenzielle Notwendigkeit.

In der abschließenden Podiumsdiskussion griffen Historikerin EDELTRAUD AUBELE, Sozialwissenschaftlerin GISELA NOTZ und UTA WITTICH (Initiative "Bedingungsloses Grundeinkommen Ulm) unter dem Leitsatz "Mehr Brot, mehr Rosen! Visionen einer besseren Zukunft" das während der gesamten Tagung immer wieder thematisierte Anliegen nach der Entwicklung von Strategien für eine geschlechtergerechte Arbeitswelt der Zukunft auf. Während Uta Wittich ein bedingungsloses Grundeinkommen nach dem Ulmer Modell als entscheidenden Schritt auf dem Weg dorthin vorstellte, zeigten sich Edeltraud Aubele und Gisela Notz diesem Ansatz gegenüber grundsätzlich skeptisch, nicht zuletzt auch wegen des Risikos, dass ein solches Grundeinkommen die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung im Sinne der Hausfrauisierung weiterhin befestigen könnte. Vor allem Gisela Notz bezeichnete die derzeitige Diskussion um das Grundeinkommen vehement als eine Sackgasse und forderte gänzlich neue Strukturen, wobei sie etwa auf hierarchiefreie Projekte aus der Frauenbewegung verwies. Auch aus dem Publikum kam die Forderung, nicht nur an Symptomen zu kurieren, sondern - etwa im Sinne des Einführungsvortrags von Antje Schrupp - mutig Anderes und Neues zu denken. Eine gewisse Unsicherheit, wie dieses Neue konkret aussehen könnte, zog sich durch die Debatte und machte deutlich, dass hier noch ein hoher Diskussionsbedarf herrscht.

Aufgrund der gelungenen Vernetzung verschiedener Wissenschaftlerinnen aus unterschiedlichen Disziplinen und Bundesländern, des kontroversen gedanklichen Austauschs während der Podiumsdiskussion und der engagierten Beteiligung der Tagungsteilnehmerinnen entstand ein facettenreiches Bild von den verschiedenen Aspekten der Frauenarbeit in Geschichte und Gegenwart. Die Tagungsergebnisse sind als Grundlage für eine differenzierte Fortsetzung der Diskussion zum Thema Arbeit geeignet und verhelfen zu einem angemessenen Blick auf das, was Frauen zu allen Zeiten auf verschiedenen Gebieten gearbeitet haben und arbeiten. Die Organisatorinnen [8] werteten die Veranstaltung als einen Erfolg für das Netzwerk. Eine Veröffentlichung der Vorträge ist geplant. Die Tagung wurde von der Georg-von-Vollmar-Akademie Kochel, dem Bezirksfrauenrat Mittelfranken, dem Katholischen Deutschen Frauenbund und der Frauenakademie München FAM e.V. gefördert.

(Bericht von: Autorinnenkollektiv Frauen & Geschichte Bayern, Kontakt: Christiane Wilke, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Anmerkungen:

[1] <http://www.antjeschrupp.de:80/was_ist_arbeit.htm>

[2] Vgl. von Dücker, Elisabeth / Museum der Arbeit (Hg.): Sexarbeit. Prostitution - Lebenswelten und Mythen, Bremen 2005.

[3] Vgl. z.B.: Maierhof, Gudrun: Selbstbehauptung im Chaos. Frauen in der jüdischen Selbsthilfe 1933-1943, Frankfurt / New York 2002; Rogge-Gau, Sylvia: Jüdische Selbstbehauptungsstrategien zwischen nationaler Identität und Diskriminierung, in: Schmiechen-Ackermann, Detlef: Anpassung, Verweigerung, Widerstand. Soziale Milieus, Politische Kultur und der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Deutschland im regionalen Vergleich, Berlin 1997, S. 193-199.

[4] Vgl. Creveld, Martin v.: Frauen und Krieg. München 2001.

[5] Vgl. Hagemann, Karen: "Mannlicher Muth und Teutsche Ehre". Nation, Militär und Geschlecht zur Zeit der Antinapoleonischen Kriege Preußens, Habil, Paderborn 2002.

Planert, Ute: Der Mythos vom Befreiungskrieg: Frankreichs Kriege und der deutsch Süden: Alltag - Wahrnehmung - Deutung 1792-1841, Habil, 2007.

[6] Vgl. Dunant, Henry: Eine Erinnerung an Solferino, Zürich (4)1961.

[7] http://www.ulrikebergmann.de

[8] Juliane Brumberg, Andrea Hähnle, Christiane Wilke, Nadja Bennewitz, Adel Aubele

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